Die kleine Mojca Pokrajculja kauft sich für einen gefundenen Kreuzer einen Tontopf und lässt in einer eisigen Nacht alle Waldtiere hinein, die etwas Nützliches können. Ein slowenisches Volksmärchen über fleißige Gäste, eine schlaue Füchsin und den verschwundenen Honig, aus dem Slowenischen übersetzt.
Slowenisches Volksmärchen · 11 Min. · gelesen von Marie
Mojca Pokrajculja: der Text zum Lesen und Vorlesen
Slowenisches Volksmärchen, frei nacherzählt.
Es war einmal, am Rand des Waldes, hoch über einem Dorf mit Heuharfen und einem weißen Kirchlein, da lebte die kleine Mojca Pokrajculja. Auf dem Kopf trug sie ein rotes Tuch mit Pünktchen, und in den Händen hielt sie einen Besen, der fast größer war als sie selbst. Sie wohnte in einem alten, klapprigen Schuppen, wo der Wind durch jede Ritze pfiff. Eines Herbstmorgens fegte sie vor ihrer Tür. Als sie den Schmutz zu einem Häufchen zusammengekehrt hatte, glitzerte darin etwas. Es war ein Kreuzer, eine kleine Kupfermünze.
„Sieh mal einer an“, freute sich Mojca. „Was kaufe ich mir bloß für diesen Kreuzer?“ Sie machte sich auf den Weg ins Dorf, wo der Töpfer auf dem Markt seine Töpfe, Schüsseln und Krüge ausgestellt hatte. „Für einen einzigen Kreuzer kann ich dir nur diesen kleinen Topf hier geben“, sagte der Töpfer und zeigte ihr einen runden, bauchigen Topf mit brauner Glasur. Mojca nahm ihn in die Arme und rollte ihn glücklich nach Hause.
Auf dem weichen Gras unter der alten Buche legte sie den Topf auf die Seite. Aus Brettchen zimmerte sie eine kleine Tür mit einem Riegel, an der Seite machte sie ein Fensterchen, auf den Boden streute sie Moos und trockenes Heu, und in die Ecke baute sie eine kleine Feuerstelle. „So“, sagte sie zufrieden, „jetzt habe ich ein Häuschen, das kein Wind davonträgt.“ Am Abend kroch sie hinein, wickelte sich in ihr Tuch und schlief wie ein Murmeltier.
In dieser Nacht aber schlug das Wetter um. Von den Bergen blies ein eisiger Wind, die Sterne am Himmel zitterten vor Kälte, und der Reif färbte die Wiese weiß wie Mehl. Auf einmal klopfte jemand an die kleine Tür. Klopf, klopf, klopf.
„Wer klopft denn so spät?“, fragte Mojca verschlafen. „Ich bin es, die Füchsin“, kam es von draußen. „Liebe Mojca Pokrajculja, hab Mitleid mit mir! Die Kälte beißt mich in die Pfoten und in den Schwanz, bis zum Morgen bin ich ganz erfroren. Lass mich zu dir hinein!“ Mojca dachte bei sich, der Topf sei klein, und für Faulpelze sei darin kein Platz. „Und was kannst du?“, fragte sie. „Nähen kann ich, ich bin Schneiderin“, antwortete die Füchsin schnell. „Jedes Loch nähe ich so zu, dass man es gar nicht mehr sieht.“ „Wer etwas Nützliches kann, hat bei mir Platz“, sagte Mojca und schob den Riegel zurück. Die Füchsin huschte hinein, rollte sich zu einem Knäuel zusammen, und die beiden schliefen ein.
Kaum hatten sie sich im Schlaf zum ersten Mal umgedreht, da klopfte es wieder. „Wer ist denn jetzt da?“ „Ich bin es, der Wolf“, heulte es draußen. „Mojca Pokrajculja, mir ist so kalt, dass mir die Zähne klappern. Ich bin Holzhacker, ich hacke Holz schneller als jeder andere im Wald.“ „Wer etwas Nützliches kann, hat bei mir Platz“, sagte Mojca, und der Wolf kroch in den Topf. Es war ein seltsamer Topf. So viele Gäste auch kamen, so viel Platz fand sich darin.
Gegen Mitternacht murmelte und brummte draußen etwas. Es war der Bär. „Mojca Pokrajculja, mach mir auf, bevor mir der Pelz zu Eis gefriert. Ich bin Schuster, ich kann Stiefel machen, sogar für den allergrößten Fuß.“ Als Mojca öffnete, zwängte sich der Bär mit großer Mühe durch die kleine Tür, setzte sich in die Ecke, und der Topf schaukelte ein wenig. Dann kam auch noch das Häschen angehoppelt. „Mojca Pokrajculja, nimm mich auch noch, ich bin doch ganz klein! Ich bin Gärtner, bei mir wächst der Kohl um die Wette und die Möhren noch schneller.“ Zuletzt klopfte auch noch der Rehbock. „Ich habe schnelle Beine und einen starken Rücken“, sagte er. „Ich hole dir Wasser von der Quelle, noch bevor du dich umgedreht hast.“ Mojca öffnete jedem, und jeder fand sein Eckchen. Dann schliefen alle zusammen süß ein, und draußen war es so kalt, dass die Bäume knackten.
Am Morgen stand Mojca als Erste auf und teilte die Arbeit ein. „Wolf, du hackst Holz, damit wir nicht frieren. Rehbock, du holst Wasser. Häschen, du gräbst das Gärtchen um. Füchsin, du nähst Vorhänge für das Fensterchen. Und du, Bär, flickst mir die Schuhe und schaust dann im Wald nach, ob es dort etwas Gutes zum Abendessen gibt.“ Den ganzen Tag arbeiteten sie fleißig. Der Wolf hackte, dass die Späne flogen, der Rehbock sprang zur Quelle und zurück, das Häschen grub und säte, die Füchsin nähte, und der Bär flickte die Schuhe so schön, dass sie besser waren als neu.
Gegen Abend kam der Bär aus dem Wald zurück und trug in seinen Tatzen eine ganze Wabe, randvoll mit goldenem Honig. Rund um den Topf duftete es wie auf einer blühenden Wiese. „Diesen Honig essen wir nicht gleich auf“, sagte Mojca. „Wir heben ihn für den Winter auf, wenn der Schnee knietief liegt und uns jeder süße Löffel gerade recht kommt.“ Sie füllte den Honig in einen kleinen Krug und stellte ihn auf das Regal über der Feuerstelle. Die Füchsin aber beobachtete das alles mit einem Auge und leckte sich das Schnäuzchen.
In der Nacht, als alle tief und fest schliefen, stöhnte die Füchsin: „Oje, oje, wie mir der Bauch wehtut!“ Mojca hob verschlafen den Kopf. „Geh zur Feuerstelle und koch dir einen Kamillentee, dann wird es besser.“ Die Füchsin schlich zur Feuerstelle. Tee kochte sie sich natürlich nicht. Ganz leise griff sie zum Regal hinauf und leckte Honig, bis der Krug zu einem Drittel leer war. Dann ging sie zurück in ihre Ecke und schlief ein.
Nach einer Weile stöhnte sie wieder, noch kläglicher als zuvor. „Oje, oje, mein Bauch tut so weh, ich krümme mich vor Schmerzen!“ „Geh und koch dir noch einen Tee“, murmelte Mojca und drehte sich auf die andere Seite. Die Füchsin leckte wieder, bis der Krug halb leer war. Ein drittes Mal jammerte sie in dieser Nacht, und ein drittes Mal ging sie zur Feuerstelle. Diesmal leckte sie den Krug bis auf den Boden aus, sodass er glänzte wie frisch gespült. Dann rollte sie sich zu einem Knäuel zusammen und schlief so süß wie schon lange nicht mehr.
Am Morgen teilte Mojca wieder die Arbeit ein. Zur Füchsin aber sagte sie freundlich: „Du, kleine Schneiderin, bleib ruhig noch ein bisschen liegen. Du warst heute Nacht krank und konntest nicht schlafen.“ Die Füchsin schloss zufrieden die Augen. Mojca wollte jedem zum Frühstück ein Brot mit einem Löffel Honig bestreichen. Als sie aber zum Regal griff, war der Krug leer. Leer bis auf den letzten Tropfen!
Sofort gab es im Topf ein großes Geschrei. „Wer hat den Honig weggeleckt?“, rief Mojca. „Ich nicht!“, knurrte der Wolf. „Ich auch nicht!“, rief der Rehbock. „Ich habe ihn doch gebracht, wie sollte ich ihn dann aufessen!“, brummte der Bär. Das Häschen zuckte nur mit den Ohren, und die Füchsin fragte verschlafen aus ihrer Ecke, was denn schon wieder los sei. Mojca trat in die Mitte und sagte: „In der Nacht war die Tür verriegelt. Von draußen konnte kein Dieb hereinkommen. Den Honig hat einer von uns gegessen.“
Da meldete sich der Wolf: „Ich weiß, wie wir den Dieb finden. Wir legen uns alle draußen in die Sonne, auf den Rücken, und machen den Mund auf. Wer den Honig gegessen hat, dem lockt die Sonne ihn wieder auf die Zunge, und er rinnt ihm übers Kinn. So sehen wir, wer schuld ist.“ Das fanden alle klug. Sie legten sich vor den Topf in die warme Herbstsonne, machten den Mund auf und warteten. Die Sonne wärmte, die Bienen summten, und bald waren alle eingeschlafen.
Alle bis auf die Füchsin. Die Füchsin hatte ein schlechtes Gewissen und konnte kein Auge zutun. Und wirklich, bald spürte sie, wie ihr der Honig zurück auf die Zunge kroch und ihr aus dem Mäulchen tropfte. Schnell wischte sie sich mit der Pfote ab. Dann schlich sie auf Zehenspitzen zum Häschen, das neben ihr schlief, und bestrich ihm Schnurrhaare und Schnäuzchen schön mit Honig. Danach legte sie sich wieder hin und schlief ein, als wäre nichts geschehen.
Als die anderen aufwachten, sahen sie sich zuerst gegenseitig an. Der Wolf hatte ein trockenes Kinn, der Bär auch und der Rehbock ebenso. Beim Häschen aber glänzten die Schnurrhaare so vom Honig, dass es in der Sonne nur so glitzerte. „Der Hase ist der Dieb!“, riefen alle gleichzeitig. Das arme Häschen wachte auf und wusste nicht, was los war. Als es den Wolf, den Bären und den Rehbock, und hinter ihnen auch noch die Füchsin, auf sich zustürmen sah, sprang es auf und lief davon.
Es rannte über die Wiese und den steilen Hang hinunter, so schnell seine Beine es trugen. Am Abhang stolperte es über einen Stein, überschlug sich und verstauchte sich beide Vorderpfoten. Es rappelte sich auf und lief weiter, in den Wald, tief zwischen die Fichten, bis die anderen es aus den Augen verloren. Seine Pfötchen aber sind seitdem ein bisschen kürzer geblieben. Darum haben alle Hasen bis heute kürzere Vorderbeine als Hinterbeine. Bergauf laufen sie wie der Wind, bergab aber müssen sie aufpassen, dass sie sich nicht überschlagen.
Der Wolf, der Bär, der Rehbock und die Füchsin jagten ihm nach und kamen nie wieder zurück. Mojca Pokrajculja blieb allein mit ihrem Topf. Sie verriegelte die kleine Tür, fegte zusammen, was die Gäste hereingetragen hatten, und kochte sich einen Tee. Diesmal wirklich. „Na also“, sagte sie, „jetzt habe ich wieder meine Ruhe.“ Wer in jener Nacht wirklich den Honig weggeleckt hatte, erfuhr Mojca nie. Aber wir wissen es, nicht wahr?





