Krpan reitet auf seiner kleinen Stute auf die Wiese vor Wien, wo ihn der Riese Brdavs auf einem großen schwarzen Pferd laut auslacht Das Schwert von Brdavs steckt tief in Krpans Keule aus Lindenholz, und der Riese zerrt verdutzt daran Die Kaiserin stürmt zornig in den Saal und schimpft mit dem Kaiser und den Herren, während Krpan verdutzt mitten im Saal steht Krpan packt grimmig die Türklinke, Keule und Fleischerbeil auf den Schultern, und der Kaiser eilt ihm nach und bittet ihn zu bleiben Der dürre Minister Gregor mit den Schlüsseln am Gürtel zeigt auf Krpan, der ihn mit verschränkten Armen missmutig ansieht Minister Gregor schreibt mit saurer Miene den Brief, der Kaiser versiegelt ihn, und Krpan hält zufrieden einen Beutel Dukaten

Martin Krpan, zweiter Teil

Hinaus zu Brdavs · gelesen von Marie
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Für Eltern: In Levstiks Original spritzt dem Riesen beim Händedruck Blut unter den Nägeln hervor, und Krpan schlägt ihm mit dem Fleischerbeil den Kopf ab. In der sanfteren Fassung knacken dem Riesen nur die Finger, und Krpan besiegt ihn, bis Brdavs schwört, nie wieder nach Wien zu kommen.

Krpan reitet auf seiner kleinen Stute hinaus zu dem schrecklichen Riesen Brdavs, und am Kaiserhof warten danach noch eine zornige Kaiserin und der spitzzüngige Minister Gregor auf ihn. Der zweite Teil der berühmtesten slowenischen Erzählung von Fran Levstik, übersetzt aus dem slowenischen Original.

Fran Levstik · 22 Min. · gelesen von Marie

Martin Krpan, zweiter Teil: der Text zum Lesen und Vorlesen

Fran Levstik (1858). Aus dem slowenischen Original „Martin Krpan z Vrha“ übersetzt.

Nun war die Zeit für den Kampf mit dem Riesen gekommen; es war gerade der Tag des heiligen Erasmus. Krpan nimmt seine Keule und sein Fleischerbeil, steigt auf seine Stute und reitet aus der Stadt hinaus auf die Wiese, wo Brdavs seine Kämpfe austrug. Martin war seltsam anzusehen: Seine Stute war klein, seine Beine aber waren so lang, dass sie hinter ihm fast über den Boden schleiften. Auf dem Kopf trug er einen alten Hut mit breiter Krempe und am Leib einen dicken Rock aus selbst gesponnener Wolle. Trotzdem fürchtete er sich vor keinem; sogar der Kaiser selbst hörte ihm gern zu, wenn er wieder einmal einen recht gepfefferten Witz riss.

Als Brdavs den Reiter erblickt, seinen Feind, fängt er dröhnend an zu lachen und sagt: „Ist das etwa dieser Krpan, den sie von so weit her gegen mich gerufen haben, dort aus Vrh bei Sveta Trojica? Wärst du doch lieber daheim hinter dem Ofen geblieben, dann würdest du deiner alten Mutter keinen Kummer machen, wenn du noch eine hast, und deine Frau nicht betrüben, wenn dir Gott eine gegeben hat. Geh mir aus den Augen, damit ich dich nicht mehr sehen muss, und zwar schnell, solange mein Herz noch Mitleid kennt. Packt mich erst der Zorn, dann liegst du blutig auf der Erde, so wie der Sohn des Kaisers selbst und hundert andere!“

Krpan antwortet ihm: „Wenn du mit Gott noch nicht im Reinen bist, dann bring schnell in Ordnung, was du noch zu ordnen hast. Ich habe nicht vor, lange zu warten, ich will schnell wieder heim hinter meinen Ofen. Deine Worte haben in meinem Herzen eine große Sehnsucht nach meiner Hütte und nach meinem Ofen geweckt; aber gehen werde ich trotzdem erst, wenn ich dir den Kopf genommen habe. Nimm es mir nicht übel! Das hat mir mein Herr aufgetragen, der Kaiser; ich wusste ja weder von dir noch von deiner Riesenhoheit noch von all dem blutigen Morden. Reite näher, damit wir uns die Hände reichen. Nie haben wir sie uns vorher gereicht, nie werden wir sie uns später reichen; aber man sagt, Gott hat es nicht gern, wenn einer mit Zorn im Herzen vor den Richterstuhl tritt.“

Der Riese wundert sich ein wenig, als er das hört. Schnell reitet er heran und reicht ihm seine dicke Hand. Krpan aber drückt sie ihm so fest, dass dem Riesen die Finger nur so knacken. Brdavs fletscht ein wenig die Zähne, sagt aber trotzdem nichts, sondern denkt sich: „Der ist grimmig und stark. Aber was macht das schon, Bauer bleibt Bauer; kämpfen, wie es sich für Helden gehört, kann er ja doch nicht.“

Flink wendet jeder sein Pferd, und sie galoppieren von weit her aufeinander los. Brdavs hebt das Schwert hoch, um seinem Feind gleich beim ersten Hieb den Kopf abzuschlagen; doch der hält ihm flink seine Keule entgegen, sodass sich das Schwert tief in das weiche Lindenholz gräbt. Und bevor der Riese es herausziehen kann, steigt Krpan von seiner kleinen Stute, zieht Brdavs zu Boden und legt ihn hin, als würde er ein Kind in die Wiege legen. Dann tritt er ihm auf den Nacken und sagt: „So, jetzt versprich mir nur schnell, dass du nie wieder gegen Wien und gegen den Kaiser ziehst. Ich habe keine Zeit, lange zu warten, ich will schnell wieder heim hinter meinen Ofen. Du musst wissen, ich kann es kaum erwarten, wieder die Glocke zu hören, die in Vrh bei Sveta Trojica singt.“

So spricht er, und Brdavs verspricht ganz kleinlaut und schwört, dass er nie wieder in die Nähe von Wien kommen wird. Krpan lässt ihn los, der Riese steigt auf sein Pferd und macht sich davon, so schnell er kann, und Krpan kehrt zur Stadt zurück. Die Wiener, die bis dahin nur von weitem zugeschaut hatten, strömen zu ihm hin, sogar der Kaiser selbst kommt ihm entgegen und umarmt ihn vor allem Volk, das aus voller Kehle ruft: „Krpan hat uns gerettet! Dank sei Krpan, solange Wien besteht!“

Krpan gefiel es gar sehr, dass ihm so viel Ehre zuteilwurde, und er saß so stolz auf seiner kleinen Stute, als würde er ausreiten, um Gäste zu einem Fest einzuladen. Das durfte er auch; denn sogar hier bei uns weiß einer, der eine Blindschleiche oder eine Ringelnatter erschlagen hat, kaum, an welchen Strauch er sie hängen soll, damit möglichst viele Leute sie sehen.

Als alle Fürsten, Feldherren und die ganze vornehme Herrschaft mit Krpan in den Kaiserpalast kommen, ergreift als Erster der Kaiser selbst das Wort und sagt: „Nun such dir nur etwas aus! Ich gebe dir, was du dir wünschst, weil du einen so gewaltigen Feind bezwungen und Land und Stadt von großer Plage und großem Unglück befreit hast. Es gibt nichts in meinem Kaiserreich, wovon ich sagen würde: Das gebe ich dir nicht, wenn du es haben willst. Sogar Jerica, meine einzige Tochter, kannst du bekommen, wenn du noch nicht verheiratet bist.“

„Verheiratet war ich, aber jetzt bin ich es nicht mehr“, antwortet Krpan. „Meine Selige ist gestorben, und eine andere habe ich nicht gesucht. Ich weiß selbst nicht recht, wie ich es anstellen soll, dass es mir nicht schadet und doch Gott und den guten Leuten gefällt. Euer Mädchen habe ich schon gesehen. Wenn es genauso klug ist, wie es schön ist, dann muss sich meine Alte in allen Dingen vor ihm verstecken. Dass es an gutes Leben gewöhnt ist, das will ich gar nicht bestreiten, denn es stammt ja aus einem reichen Haus. Aber in Vrh bei Sveta Trojica sind wir auch nicht bloß Bettler; auch bei uns hängt das ganze Jahr über etwas Geräuchertes an der Stange. Nur weiß ich nicht, wie das gehen soll.“

„Einmal trugen Marjeta und ich in Tragkörben Trauben nach Triest. Auf dem Heimweg aber ist sie mir unterwegs krank geworden. Das war mir so unangenehm, ich kann es Euch gar nicht sagen! Lieber wäre es mir gewesen, wenn mir in der Kirche beide Hosenträger auf einmal gerissen wären, ausgerechnet wenn ich gerade die Kerzen anzünde. Es ging nicht anders: Ich setzte sie in den Tragkorb, nahm den Korb auf den Rücken und stapfte gewichtig mit ihr davon! Ich wäre schon zurechtgekommen; meine Mretačka war ja so klein wie ein Mädchen von dreizehn Jahren, obwohl der kleine Plagegeist schon dreißig war, als wir heirateten. Schwer war sie also nicht. Aber wohin ich auch kam, überall fragten mich die Leute, was für einen Kram ich zu verkaufen hätte. Das ist ein verflixt schlechter Kram, seine Alte durch die Welt zu tragen!“

„Und wenn uns beiden jetzt auf der Straße wieder so etwas zustieße, Eurer Tochter und mir? Von hier bis Vrh zieht sich der Weg wie ein Hühnerdarm. Einen Tragkorb habe ich armer Kerl nicht, und meine Stute hat nur einen einzigen Sattel! Es wäre auch gar kein Wunder, wenn sie krank würde; wir wissen ja alle, dass so zarte Geschöpfe es nicht gewohnt sind, von fünf Uhr früh bis acht Uhr abends klipp klapp, klipp klapp auf einem Pferd zu sitzen. Wenn man sich das alles recht gründlich überlegt, ist es wohl am besten, Euch bleibt die Kaisertochter und mir mein Witwerstand, obwohl ich mir eigentlich nicht viel daraus mache; aber was Gott gibt, dagegen darf sich der Mensch nicht wehren.“

Die Kaiserin aber hatte die dicht belaubte Linde über dem Steintisch im Garten noch immer nicht vergessen. Darum war sie auch nicht dabei, sondern lauschte hinter der Tür, wie es Frauen gern tun, die alles erfahren möchten. Als sie hört, dass der Kaiser Krpan seine Tochter zur Frau anbietet, kommt auch sie herein und sagt: „Du bekommst sie nicht, nein! Meine Linde hast du mir verdorben, und meine Tochter gebe ich dir nicht! Mein lieber Mann, dir ist wohl das Blut in den Kopf gestiegen. Ich kann es nicht gutheißen, dass du solche Worte redest, von denen du selbst genau weißt, dass eins so leer ist wie das andere.“

„Und auch ihr solltet euch schämen, ihr, meine Herren! Es ist eine Schande, dass ein Bauer für euch kämpfen muss! Die Linde könnte heute noch stehen, und der Riese wäre trotzdem längst bezwungen, wenn ihr etwas taugen würdet. Aber ich weiß ja: Seit die Männer zu Waschlappen geworden sind, ist jede Frau dumm, die heiratet!“

„Es stimmt, Krpan, du hast das Kaiserreich gerettet, und auch Wien hast du gerettet. Dafür bekommst du ein Fass Wein, das fünfzig kleine Eimer fasst, und dazu geben wir dir hundertundfünf Kuchen, zwanzig Lämmer und achtundvierzig Schinken. Hör mir gut zu! Das alles musst du aber heim nach Krain schaffen, wenn du es haben willst. Verkaufen darfst du davon nicht ein Krümelchen, weder hier noch unterwegs. Wenn du in Vrh bei Sveta Trojica bist, dann mach damit, was du willst. Und weil wir hier jetzt keinen Brdavs mehr haben, ist es wohl nicht verkehrt, wenn du dein prächtiges Zicklein sattelst, von dem du sagst, es sei eine Stute, und dich hübsch langsam auf den Weg nach Vrh machst. Grüß mir dort alle Leute von Vrh, besonders aber die Frau Bürgermeisterin!“

Als die Kaiserin das gesagt hatte, ging sie gleich wieder in ihre Gemächer. Alle Herren schämten sich sehr. Und warum hätten sie sich auch nicht schämen sollen? Sie hatte ihnen gehörig die Meinung gesagt, genau so, wie es solche verdienen!

Krpan aber sah beinahe aus wie ein Unwetter. Wie wenn es hinter dem Mokrec blitzt, so schossen seine Blicke unter der zornigen Stirn hervor, und seine Augenbrauen sträubten sich wie zwei Besen. Potz Blitz, wie allen um ihn herum seltsam ums Herz wurde! Sogar der Kaiser schaute ängstlich von der Seite zu ihm hin, der Kaiser! Weil die beiden aber immer gute Freunde gewesen waren, fasste er sich langsam ein Herz und sagte zu ihm: „Krpan, sei du nur still; wir zwei werden das schon in Ordnung bringen!“

Krpan aber hört gar nicht auf ihn, sondern schwingt sich die Keule auf die rechte Schulter und das Fleischerbeil auf die linke, geht zur Tür und sagt: „Wisst ihr was? Gott behüte euch! Und nehmt es mir nur nicht übel!“ Mit diesen Worten fasst er die Türklinke, ganz als wollte er gehen. Der Kaiser läuft ihm nach: „Warte doch! Lass dir doch etwas sagen! Gott bewahre uns, du bist doch kein Wasser, das einfach davonläuft!“

Krpan antwortet: „Was denn? Meint Ihr, ich hätte noch nicht genug gehört, oder wie? Mir würde der Bart gewiss schon bis zum Gürtel reichen oder noch weiter, wenn ich mich nicht jede Woche zweimal rasieren würde; und da soll einer mit mir den Boden aufwischen? Wer hat denn die Kutsche mit den vier Pferden nach mir geschickt? Ihr oder ich? Nicht ich habe Wien gebraucht, sondern Wien hat mich gebraucht! Und jetzt geht man so mit mir um? Und dazu muss ich mir wegen Fleisch und Wein auch noch Vorwürfe anhören? Ich habe schon bei mancher Mutter Brot gegessen, schwarzes und weißes, und bei manchem Vater Wein getrunken; aber nirgends, auch nicht bei Euch, bin ich so gut bewirtet worden wie in Razdrto beim Klinčar, und das wird auch nie so sein. Es gibt nichts Hässlicheres auf dieser Welt, als etwas zu geben und es einem hinterher vorzuhalten! Wer nicht geben will, der soll es eben selbst behalten!“

„Und überhaupt, wer hätte gedacht, dass der Streit um die Linde noch immer kein Ende nimmt? War dieses Bäumchen etwa Euer Gott, oder was? Solches Holz wächst hinter jedem Busch, einen Krpan aber gibt es nicht an jeder Ecke, nicht einmal an jedem Kaiserhof, Gott sei Dank! Und dann gebt Ihr auch noch solche Geschenke, an die man gar nicht herankommt. Das ist gerade so, als würde man einer Katze eine Maus an den Schwanz binden: Dann dreht sie sich immerzu im Kreis und erwischt sie doch nicht. Fünfzig kleine Eimer Wein, hundertundfünf Kuchen, zwanzig Lämmer und achtundvierzig Schinken, das ist wahrhaftig kein armseliges Gut, aber was nützt es! Verkaufen darf ich es nicht, und von Wien nach Vrh schleppen lohnt sich auch nicht!“

„Aber ich werde etwas ganz anderes tun, worauf keiner kommt! Ich schleppe mir Bretter in den Hof, und wenn es zu wenige sind, dann werden die Bäume singen. Alles haue ich um, was mir unter die Axt kommt, ob Linde oder Lindenbäumchen, ob schlechtes Holz oder gutes Holz, ob über dem Steintisch oder über dem Holztisch. Dann baue ich mir mitten im Hof eine Hütte und bleibe so lange liegen, wie das Fass noch nass ist und ich noch etwas zu beißen habe.“

„Aber das sage ich Euch: Kommt Brdavs nur noch ein einziges Mal nach Wien, dann schickt nur wieder die Kutsche und den Diener nach mir, oder sogar Eure Tochter, aus der ich mir weder wenig noch viel mache; dann werden wir ja sehen, was Ihr aus Vrh bei Sveta Trojica mitbringt! Wenn es ein Krpan ist, dann bestimmt keiner aus Fleisch und Blut; nein, aus Haferstroh werdet Ihr ihn Euch stopfen müssen, und vor dem werden sich nicht einmal die Spatzen lange fürchten, geschweige denn die Riesen! Ich wollte gehen, ohne ein Wörtchen zu sagen. Weil Ihr mich aber selbst aufgehalten habt, seid nicht böse, wenn ich Euch das eine oder andere bittere Wort gesagt habe. Ihr wisst ja wohl, was der selige Jernejko aus Golo gesagt hat: Soll ich ihn etwa mit Kuchen füttern, wenn ich mit jemandem streite? Was ihn am meisten ärgert, das schmiere ich ihm aufs Brot. Und jetzt bleibt nur gesund!“

Darauf sagt der Kaiser: „Martin, nun hab doch Geduld! Sei doch nicht so ungeduldig. Du gehst nicht fort aus unserem Haus, glaub mir, das tust du nicht! Ich bin hier doch der Herr, weißt du!“ Krpan antwortet: „Jeder Mensch ist so, wie Gott ihn gemacht hat, und jeder hat irgendeinen Fehler: Wer nicht krumm ist, ist vielleicht dumm! Mein Benehmen passt nicht zu Euch, das sehe ich schon. Reden wir also nicht mehr davon, dass ich hierbleibe. Auch meine Stute, die man ein Zicklein nennt, ist es nicht gewohnt, immer nur trockenes Futter zu fressen. Daheim hat sie im Wald geweidet und unterwegs am Straßenrand!“

Da tritt Minister Gregor heran, der die Schlüssel zur kaiserlichen Kasse hatte, denn solche Herren haben für jede Sache einen eigenen Diener. Der Minister meldet sich zu Wort: „Eure Kaiserlichkeit, wisst Ihr was? Euer Hofnarr Stehan ist gestorben; gestern hatten wir für ihn die Messe am achten Tag, Gott schenke ihm das himmlische Licht! Stehan und Krpan, die sind sich doch recht ähnlich. Was meint Ihr? Vielleicht könnte dieser hier sein Amt übernehmen? Man weiß ja nie. Ein Schlitzohr ist er, dick ist er, lustig auch, und ein loses Mundwerk hat er genauso; in der ganzen Christenheit gibt es keinen zweiten wie ihn!“

Krpan antwortet: „Magister Gregor, wisst Ihr was? Einmal war ich Euer Narr, ein zweites Mal werde ich es nicht sein. Groß und Klein würden über mich und meinen ungehobelten Verstand lachen, wenn ich das täte. Aber gut, dass mir das jetzt einfällt! Beinahe hätte ich vergessen, was mir schon lange auf der Zunge liegt. Eure Kaiserlichkeit, Ihr seid mir doch einmal mit meiner Stute im Schnee begegnet, nicht wahr?“

Der Kaiser: „So war es, ja, so war es!“ Krpan: „Und was hatte ich geladen?“ Der Kaiser: „Wetzsteine und Zunderschwamm.“ Krpan: „Das war damals, als Ihr nach Jerusalem gefahren seid.“ Der Kaiser: „Ach was, das stimmt nicht! Nach Triest bin ich gefahren; von Jerusalem weiß ich so viel wie von meiner letzten Stunde.“

Krpan: „Und ich von Wetzsteinen und Zunderschwamm genauso viel. Damals, wisst Ihr, habe ich Euch nicht die Wahrheit gesagt, und das tut mir heute noch leid. Englisches Salz habe ich getragen. Eigentlich habe ich mich weder vor Euch noch vor Eurem Kutscher gefürchtet. Aber so ist das nun einmal: Wenn ein Mensch vom rechten Weg abkommt, mag er noch so stark sein, dann fürchtet er sich doch, sobald nur ein Ast an den anderen schlägt.“

Darauf sagt Minister Gregor: „Weißt du nicht, dass das verboten ist? Das ist ein gefährlicher Mensch, er schadet dem Staat. Packt ihn, sperren wir ihn ein!“ Krpan antwortet: „Wer will mich denn packen? Etwa Ihr, Ihr Langbein, dürr wie ein Bratspieß? Ihr mitsamt Eurer ganzen Magisterei seid ja kaum eine Handvoll! Mit einer einzigen Hand stoße ich Euch über das Dach des Stephansdoms, der mitten in der Stadt steht! Spart Euch also die leeren Worte!“

Der Kaiser sagt: „Sag du mir nur, ob du vielleicht noch etwas haben möchtest. Wir zwei werden nicht im Streit auseinandergehen, nein, so Gott will, gewiss nicht. Minister Gregor, du lässt ihn in Ruhe! Ich weiß schon, wie es ist!“

Krpan antwortet: „Dann hört mir zu! Meine Rauferei mit Brdavs, das weiß ich, ist es wert, dass man davon spricht. Wer weiß? Vielleicht werden Dichter sogar Geschichten und Lieder darüber machen, damit man noch davon erzählt, wenn von Euch und von mir weder Knochen noch Staub übrig sind, falls Magister Gregor es nicht anders in die Bücher schreiben lässt. Er soll es halten, wie er will; bei mir wird er sich damit weder beliebt machen noch freikaufen.“

„Aber ein Arbeiter ist doch seines Lohnes wert, das habe ich in der Kirche gehört. Wenn es Euer guter Wille ist, dann gebt mir einen Brief, der vor jeder geistlichen und weltlichen Obrigkeit gilt; und Euer Siegel müsst Ihr auch daraufdrücken, damit ich ohne Sorge englisches Salz durch die Welt tragen kann. Wenn Ihr mir das gebt, dann will ich ein Taugenichts sein von Kopf bis Fuß, falls ich Euch jemals etwas vorhalte, solange ich mit meinen Lasten unterwegs bin!“

Der Kaiser war sofort einverstanden; Minister Gregor aber war ganz und gar nicht dafür. Doch der Kaiser hörte nicht auf ihn, sondern sagte: „Gregor, nimm die Feder und schreib auf, wie Martin es gesagt hat!“

Minister Gregor machte ein saures Gesicht, aber er weigerte sich nicht, zu tun, was man ihm befahl; denn vor dem Kaiser fürchtet sich doch jeder. Als der Brief geschrieben und versiegelt war, sagte der Kaiser zu Krpan: „Martin, verkaufst du mir die Kuchen und den Wein und was sonst noch alles dazugehört? So ist es am einfachsten, schau! Mit der Kaiserin rede ich schon selbst, damit alles gut wird. Einen Beutel Dukaten gebe ich dir, und du lässt die Ware hier. Wer soll das denn von Wien bis nach Sveta Trojica schleppen?“

Krpan antwortet: „Anderthalb Beutel und noch eine Krone obendrauf, das ist es gut und gern wert, das weiß ich, selbst wenn ein Bruder dem anderen verkauft. Aber sei es drum, bei Euch will ich nicht so genau hinschauen. Nur will ich deswegen mit der Kaiserin keine Scherereien haben; ich schleiche nicht gern um die hohen Herrschaften herum! Ich habe ja Zeugen, dass Ihr allen Ärger auf Euch genommen habt, der früher oder später daraus kommen wird, hört mir gut zu!“

Der Kaiser sagt zu ihm: „Hab keine Angst; das bringe ich schon selbst in Ordnung, ohne dich. Da hast du den Beutel, und hier ist auch noch der Brief. Heute Abend gehst du doch sowieso nicht mehr aus dem Schloss fort, falls du überhaupt gehen willst; der Tag hat sich schon geneigt, und die Nacht kommt näher.“

Krpan aber antwortet: „Vor allem habt schönen Dank für das Brieflein, das werde ich jedem unter die Nase halten, der mich auf der Straße aufhalten will; und auch wegen des Beutelchens werde ich mich nicht zieren. Wer weiß, was einem Menschen unverhofft alles zustoßen kann? Vielleicht kommt es mir noch sehr gelegen. Man sagt ja immer: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach! Bei Euch aber bleibe ich nicht über Nacht, wenn Ihr mir das nicht übelnehmt. Es zieht mich schon gewaltig, endlich wieder einmal in Vrh bei Sveta Trojica zu sein.“

„Nur um eines möchte ich Euch noch bitten: Gebt mir einen Mann mit, der mich bis zur Landstraße begleitet. Die Stadt ist groß; so viele Häuser habe ich noch nie gesehen, seit ich Salz trage, obwohl ich schon in Rijeka war, auch in Koper, in Vrhnika und in Ljubljana; aber so viele Gassen gibt es nirgends. Mit dem Kutscher bin ich schnell gefahren, und ich weiß so viel davon, wo ich hereingekommen bin, als hätte ich die Augen verbunden gehabt. Dabei habe ich doch nach links und auch nach rechts geschaut; aber nicht jedem Menschen ist es gegeben, immer zu wissen, wo er ist.“

Der Kaiser versprach ihm seinen Diener, dann reichte er ihm die Hand und befahl auch Gregor, ihm die Hand zu reichen. Der Minister weigerte sich nicht; aber wegen des Briefes war er ganz grün vor Ärger.

Krpan schwingt sich Keule und Fleischerbeil auf die Schultern, und das waren seine letzten Worte vor dem Kaiser: „Wenn sich wieder einmal ein Brdavs meldet oder sonst einer, dann wisst Ihr ja, wo Vrh bei Sveta Trojica liegt. Die Leute in Vrh und die Frau Bürgermeisterin werde ich schon grüßen. Bleibt gesund!“ „Leb wohl!“, sagt der Kaiser, Minister Gregor aber sagt gar nichts.