Drei verschieden große Bären vor einem Holzhäuschen im Wald Ein Mädchen mit goldenen Locken guckt durch das Schlüsselloch des Bärenhäuschens Ein kleines Stühlchen bricht zusammen und Goldlöckchen plumpst auf den Boden, auf dem Tisch stehen drei Schüsseln Die drei Bären schauen verwundert auf ihre Schüsseln, in denen die Löffel stecken Die drei Bären stehen am kleinen Bettchen, in dem Goldlöckchen schläft Goldlöckchen springt durch das offene Fenster und rennt in den Wald

Goldlöckchen und die drei Bären

Das Bärenhäuschen · gelesen von Marie
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Drei Bären gehen spazieren, bis ihr Brei abgekühlt ist, und da schaut ein neugieriges kleines Mädchen in ihr Häuschen. Das englische Märchen von der großen, der mittelgroßen und der klitzekleinen Schüssel, erzählt von Flora Annie Steel und übersetzt aus dem englischen Original.

Flora Annie Steel · 9 Min. · gelesen von Marie

Goldlöckchen und die drei Bären: der Text zum Lesen und Vorlesen

Flora Annie Steel (1918). Aus dem englischen Original „The Story of the Three Bears“ übersetzt.

Es waren einmal drei Bären, die zusammen in ihrem eigenen Häuschen mitten im Wald wohnten. Der eine war ein klitzekleiner Bär, der zweite war ein mittelgroßer Bär, und der dritte war ein riesengroßer Bär. Jeder hatte eine Schüssel für seinen Brei: ein kleines Schüsselchen für den klitzekleinen Bären, eine mittelgroße Schüssel für den mittelgroßen Bären und eine große Schüssel für den riesengroßen Bären. Und jeder hatte einen Stuhl zum Sitzen: ein kleines Stühlchen für den klitzekleinen Bären, einen mittelgroßen Stuhl für den mittelgroßen Bären und einen großen Stuhl für den riesengroßen Bären. Und jeder hatte ein Bett zum Schlafen: ein kleines Bettchen für den klitzekleinen Bären, ein mittelgroßes Bett für den mittelgroßen Bären und ein großes Bett für den riesengroßen Bären.

Eines Tages hatten sich die Bären Brei zum Frühstück gekocht und ihn in ihre Breischüsseln gefüllt. Dann gingen sie in den Wald spazieren, solange der Brei abkühlte, damit sie sich nicht den Mund verbrannten, wenn sie zu früh anfingen zu essen. Denn es waren höfliche, gut erzogene Bären. Während sie fort waren, kam ein kleines Mädchen namens Goldlöckchen an dem Häuschen vorbei. Es wohnte auf der anderen Seite des Waldes, und seine Mutter hatte es mit einem Auftrag losgeschickt.

Goldlöckchen schaute zuerst durchs Fenster hinein und guckte dann auch noch durchs Schlüsselloch, denn es war gar kein gut erzogenes kleines Mädchen. Als es sah, dass niemand im Haus war, drückte es die Klinke herunter. Die Tür war nicht abgeschlossen, denn die Bären waren gute Bären, die niemandem etwas zuleide taten, und sie dachten gar nicht daran, dass jemand ihnen etwas zuleide tun könnte. Also öffnete Goldlöckchen die Tür und ging hinein. Und wie freute es sich, als es den Brei auf dem Tisch stehen sah!

Wäre es ein gut erzogenes kleines Mädchen gewesen, hätte es gewartet, bis die Bären nach Hause kamen, und dann hätten sie es vielleicht zum Frühstück eingeladen. Denn es waren gute Bären, ein bisschen grob vielleicht, wie Bären nun einmal sind, aber trotzdem sehr gutmütig und gastfreundlich. Doch Goldlöckchen war ein freches, ungezogenes kleines Mädchen, und so bediente es sich einfach selbst.

Zuerst probierte es den Brei des riesengroßen Bären, aber der war ihm zu heiß. Dann probierte es den Brei des mittelgroßen Bären, aber der war ihm zu kalt. Und dann ging es zum Brei des klitzekleinen Bären und probierte ihn. Der war nicht zu heiß und nicht zu kalt, sondern genau richtig. Er schmeckte ihm so gut, dass es ihn ganz und gar aufaß, ratzeputz!

Goldlöckchen war müde, denn es hatte Schmetterlinge gefangen, statt sich um seinen Auftrag zu kümmern. Darum setzte es sich auf den Stuhl des riesengroßen Bären, aber der war ihm zu hart. Dann setzte es sich auf den Stuhl des mittelgroßen Bären, und der war ihm zu weich. Doch als es sich auf das Stühlchen des klitzekleinen Bären setzte, war das nicht zu hart und nicht zu weich, sondern genau richtig. Also machte es sich darauf bequem und blieb so lange sitzen, bis der Sitz herausbrach, und plumps, da saß es auf dem Fußboden! Darüber ärgerte es sich sehr, denn es war ein kleines Mädchen, das schnell schlechte Laune bekam.

Weil es sich nun unbedingt ausruhen wollte, ging Goldlöckchen die Treppe hinauf in die Schlafstube, in der die drei Bären schliefen. Zuerst legte es sich auf das Bett des riesengroßen Bären, aber das war ihm am Kopfende zu hoch. Dann legte es sich auf das Bett des mittelgroßen Bären, und das war ihm am Fußende zu hoch. Und dann legte es sich auf das Bettchen des klitzekleinen Bären. Das war weder am Kopfende noch am Fußende zu hoch, sondern genau richtig. Also deckte es sich gemütlich zu und blieb liegen, bis es fest eingeschlafen war.

Inzwischen dachten die drei Bären, ihr Brei sei nun kühl genug, um ihn ordentlich zu essen, und so kamen sie zum Frühstück nach Hause. Das unachtsame Goldlöckchen hatte aber im Brei des riesengroßen Bären den Löffel stecken lassen. „Jemand hat von meinem Brei gegessen!“, sagte der riesengroße Bär mit seiner großen, rauen, brummigen Stimme.

Dann schaute der mittelgroße Bär in seinen Brei und sah, dass auch darin der Löffel steckte. „Jemand hat von meinem Brei gegessen!“, sagte der mittelgroße Bär mit seiner mittelgroßen Stimme. Dann schaute der klitzekleine Bär in sein Schüsselchen. Da steckte zwar der Löffel darin, aber der Brei war ganz weg! „Jemand hat von meinem Brei gegessen und hat alles aufgegessen!“, sagte der klitzekleine Bär mit seinem klitzekleinen Stimmchen.

Als die drei Bären sahen, dass jemand in ihr Haus gekommen war und das Frühstück des klitzekleinen Bären aufgegessen hatte, fingen sie an, sich umzuschauen. Das unachtsame Goldlöckchen hatte das harte Kissen nicht wieder gerade gelegt, als es vom Stuhl des riesengroßen Bären aufgestanden war. „Jemand hat auf meinem Stuhl gesessen!“, sagte der riesengroße Bär mit seiner großen, rauen, brummigen Stimme.

Und das unachtsame Goldlöckchen hatte das weiche Kissen des mittelgroßen Bären platt gedrückt. „Jemand hat auf meinem Stuhl gesessen!“, sagte der mittelgroße Bär mit seiner mittelgroßen Stimme. „Jemand hat auf meinem Stühlchen gesessen und hat den Sitz durchgesessen!“, sagte der klitzekleine Bär mit seinem klitzekleinen Stimmchen.

Da meinten die drei Bären, sie sollten lieber weitersuchen, denn vielleicht war ein Einbrecher im Haus, und so gingen sie die Treppe hinauf in ihre Schlafstube. Goldlöckchen hatte das Kopfkissen des riesengroßen Bären von seinem Platz gezogen. „Jemand hat in meinem Bett gelegen!“, sagte der riesengroße Bär mit seiner großen, rauen, brummigen Stimme. Und Goldlöckchen hatte die Nackenrolle des mittelgroßen Bären von ihrem Platz gezogen. „Jemand hat in meinem Bett gelegen!“, sagte der mittelgroße Bär mit seiner mittelgroßen Stimme.

Als aber der klitzekleine Bär nach seinem Bettchen sah, lag die Nackenrolle an ihrem Platz! Und das Kopfkissen lag an seinem Platz auf der Nackenrolle! Und auf dem Kopfkissen? Da lag Goldlöckchens goldgelber Kopf, und der war nicht an seinem Platz, denn Goldlöckchen hatte dort nichts verloren. „Jemand hat in meinem Bettchen gelegen, und da liegt es ja noch!“, sagte der klitzekleine Bär mit seinem klitzekleinen Stimmchen.

Goldlöckchen hatte im Schlaf die große, raue, brummige Stimme des riesengroßen Bären gehört. Aber es schlief so fest, dass es ihm nur wie das Heulen des Windes oder das Grollen des Donners vorkam. Und es hatte die mittelgroße Stimme des mittelgroßen Bären gehört, aber nur so, als hätte es jemanden im Traum sprechen hören. Doch als es das klitzekleine Stimmchen des klitzekleinen Bären hörte, war das so spitz und so schrill, dass es sofort davon aufwachte.

Mit einem Satz fuhr es hoch. Und als es auf der einen Seite des Bettes die drei Bären sah, purzelte es auf der anderen Seite hinaus und rannte zum Fenster. Das Fenster stand offen, denn die Bären waren gute, ordentliche Bären und öffneten jeden Morgen, wenn sie aufgestanden waren, das Fenster ihrer Schlafstube. Da sprang das unartige, erschrockene kleine Goldlöckchen hinaus. Ob es in den Wald lief und sich dort verirrte oder ob es aus dem Wald herausfand und von seiner Mutter tüchtig ausgeschimpft wurde, weil es so unartig gewesen war und herumgetrödelt hatte, statt seinen Auftrag zu erledigen, das weiß niemand. Aber die drei Bären haben es nie wieder gesehen.